Die Kuratorin

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Nina-Maria Oetker
Im Zusammenwirken mit dem Bielefelder Mädchenhaus kommt man nicht umhin, sich einer Fülle von Fragen zu stellen. Es sind Fragen nach unserer Gesellschaft, in deren Mitte ein Bedarf an Zufluchtsstätten besteht. Es gibt Taten, die in einem „gewöhnlichen” Bewusstsein schlicht unmöglich sind und Fragen nach sehr unterschiedlichen Bewusstseinszuständen aufwerfen. Letztendlich stellt sich die Frage danach, was den Menschen eigentlich zu einem “wahren” Menschen, wahrhaft menschlich macht. In der Ausstellung “Weltenwesen im Brückenbau”gibt es viele Berührungspunkte mit dem Mädchenhaus Bielefeld.

Veränderung entsteht durch den Wunsch zu verstehen
Im Erdgeschoss der Ausstellung richten wir unseren Blick auf Kulturen, in denen geistige Inhalte eine wesentliche Rolle spielen. Im tibetischen Volk steht eine Bewusstseinsschulung, die Schulung des Geistes und die Überwindung des Ego im Vordergrund. Gegenseitiger Respekt, Respekt vor allen Lebewesen und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur sind oberstes Prinzip. Eine verantwortungsvolle Selbsterziehung steht im Mittelpunkt des Daseins. In unserer westlichen Welt kann man anhand zahlreicher buddhistischer Einrichtungen und Meditationsgruppen den Bedarf nach stiller Einkehr und Innenschau ablesen. Die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden ist groß, und der Wunsch nach einer Welt in der ein harmonischer, respektvoller Umgang mit unseren Mitmenschen und allen Lebewesen möglich ist, wächst.

„Menschen finden es schwierig mit den zahllosen Möglichkeiten umzugehen, welche das Leben bietet, während sie gleichzeitig in der Wahrnehmung einer Welt gefangen sind, die meistens als erdrückend empfunden wird. In dieser Lage kann es hilfreich sein, die Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten, nämlich anzuerkennen, dass die Dinge sich tatsächlich ändern lassen. Nichts ist festgelegt, wenn wir auf die Welt kommen. Wir können unser Leben beeinflussen. Aber dazu braucht es Wille und Anstrengung.” S.H. der Dalai Lama

Für ein respektvolles Miteinander
Die weiteren Räume der Ausstellung holen uns den Wunsch nach einem achtsamen und respektvollen Miteinander in unsere westliche Kultur, und regen dazu an sich Zeit für Beobachtungen zu nehmen, sich mit Wahrnehmung zu befassen und offen – auch spielerisch Neues zu entdecken.
Veit Mettes Bilder sprechen von einem hellwachen Bewusstsein für Bildsprachen und Formen. Situationen, die er mit der Kamera einfängt, würden von jemand Anderen möglicherweise noch nicht einmal zur Kenntnis genommen. Gilbert Bender & Hannes Pole zeigen uns wie viel Freude es machen kann, und wie ungewöhnlich es uns zunächst erscheinen mag, einmal völlig zweckfrei zu experimentieren …

Gemeinsam etwas bewegen
In den Mitarbeiterinnen des Mädchenhauses und den ehrenamtlichen Unterstützern findet man Menschen mit einem Weltverbesserer-Gen. Idealisten und Optimisten, die Mut machen und Dingen eine positive Entwicklung ermöglichen möchten. Durch die Gespräche im Mädchenhaus und die „Aktion Zuflucht“, wurde der Impuls gesetzt diesem Idealismus und den Wünschen der Beteiligten einen Rahmen in Form einer Kunstausstellung zu bereiten, der das transportieren kann, was man sich für die Zukunft erhofft: Eine positive Entwicklung, die beim Einzelnen beginnt, in der persönliche Individualität in Freiheit erschaffen wird, ohne bloß von Anderen Prinzipien und Moral zu übernehmen.